Convivo Unternehmensgruppe

Angehörige stärken – ein Erfahrungsbericht

Aus den Rubriken Kompetenz, Pflege und Veranstaltung von Sabine Greulich.

Von Freude und Tränen: Die Demenzbeauftragte Sabine Greulich berichtet von ihrem Treffen mit Angehörigen dementer Menschen im Haus O'land.


Auf Einladung des Einrichtungsleiters des Hauses O`land, Roland Arndt, trafen sich in dieser Woche 14 Angehörige von dementen Menschen unserer stationären Einrichtungen mit der Demenzbeauftragten Sabine Greulich.

Sie weiß: „Viele unserer pflegenden Angehörigen sind bis zum Eintritt der Erkrankten in die Einrichtung enormen Belastungen ausgesetzt. Die erkrankte Person steht im Zentrum und eigene Bedürfnisse müssen zurückgestellt werden. In angeleiteten Gesprächsgruppen können die Angehörigen ihren Gefühlen Raum geben und finden Unterstützung durch Gleichgesinnte.“

„Man zieht sich automatisch zurück mit seinem dementen Angehörigen. Weil die Umwelt schon komisch guckt und auch weitere Familienangehörige oft überfordert sind“, erzählt der einzige Mann in der Runde, der sich auch in der Pflegeeinrichtung rührend um seine Frau kümmert. 65 Jahre sind sie verheiratet.

„Mich belastet mein schlechtes Gewissen, auch wenn ich weiß, dass die Lösung „Heim“ die beste ist und ich dafür dankbar bin“, schildert eine andere Angehörige ihre Gefühle.

Ein gemeinsames Treffen zum Start der Selbstreflektion

Oft wird den Angehörigen erst während der Gespräche bewusst, welchen Belastungen sie über lange Zeiten standgehalten haben und vielen stellen sich erst Monate nach dem Eintritt in die stationäre Pflege die Fragen: „Wie kann ich mich von den Strapazen regenerieren? Wie ist mein jetziges soziales Netz? Wie pflege ich meine Kontakte wieder? Wie kann ich gut auf mich selbst aufpassen?"

Reflektion und Erinnerung an gute Momente.

Während des Erzählens und Reflektierens wird vieles nochmals deutlicher. Die Schilderung der Krankheitsentwicklung und die Erinnerungen an gute Momente lösten die verschiedensten Gefühle aus:

„In der Gruppe haben wir viel gelacht und es flossen auch Tränen. Die ganze Palette an Gefühlen war enthalten. Es war informativ noch mehr zum Krankheitsbild Demenz zu erfahren und auch stützend, zu hören, dass es den anderen Angehörigen genauso geht“, äußerten sich die Teilnehmer*innen am Ende des Abends.

zurück

Über die Autorin Sabine Greulich

Sabine Greulich

Sabine Greulich unterstützt seit 20 Jahren demente Menschen, Angehörigen und Pflegende dabei, auch mit Demenz Lebensqualität, Wertschätzung und Freude im Miteinander zu finden. Ihr berufliches Motto: „Demenz ist tragisch – aber nicht nur“.

alle Beiträge von Sabine Greulich

360° Mensch