Kinaesthetics, Kompetenz, Mobilität und Pflege

Erhalt und Förderung der Mobilität #2

Von Cornelia Gödde  /  28. Juni 2021


Körperliches Fitness-Training beim Kreuzworträtseln? Geht das?

Eine Beobachtung aus kinästhetischem Blickwinkel

Neulich in der Beschäftigungsrunde 

Eine Kollegin der Sozialen Betreuung sitzt mit 3 Seniorinnen am Tisch. Sie spielen zusammen Stadt, Land, Fluss und lösen Kreuzworträtsel. Sie halten einen Stift in der Hand, beugen sich über ihr Papier; zwischendurch greifen sie zum Getränk und prosten sich zu. Es wird überlegt, diskutiert und gelacht.

Die Kollegin schaut mich an, zuckt mit den Schultern und sagt: „Na ja, das Thema Bewegungsförderung wird von diesen Damen nicht gewünscht. Also beschränken wir uns auf die übliche Beschäftigung!“

Wir beobachten gemeinsam die Spielgruppe

Die Teilnehmerinnen sitzen nicht ruhig auf dem Stuhl. Sie sind ständig in Bewegung, um ihre Position immer wieder neu der jeweiligen Situation anzupassen:

Sie beugen sich über den Tisch. Dabei verlagern sie ihr Gleichgewicht nach vorne, um schreiben zu können und zur Seite, um das Glas zu greifen. 

Sie stützen sich mit den Händen oder den Unterarmen auf dem Tisch ab. 

Sie verändern die Position ihrer Füße. Sie sind mal in Schrittstellung, mal entspannt nach vorne oder nebeneinander. Die Füße werden dabei unterschiedlich belastet, um das Gewicht entsprechend abzufangen.

Wir sind erstaunt über die Vielfältigkeit der Bewegungen. Arme, Beine, Kopf 

und Brustkorb sind beteiligt! 

Jede dieser einzelnen Bewegungen sind Bausteine für andere Aktivitäten: Die Beweglichkeit im Sitzen wird für das selbstständige Essen und Trinken, für das sich Waschen oder auch beim Abführen gebraucht. Außerdem werden Bewegungselemente trainiert, die die Balance aufbauen und helfen, auf die Füße zu kommen.

Fazit

So eine Spielrunde dient nicht nur der geistigen Fitness. Aus kinästhetischer Sicht wird hierbei auch die körperliche Fitness und Mobilität gefördert und erhalten.

Die Erfahrung wird im gesamten Team der Betreuung und Pflege besprochen. 

Gemeinsam wird vereinbart, die Senior:innen gezielter zu beobachten, die Bewegungsfähigkeiten zu dokumentieren und diese nicht nur beim Schunkeln, Ballspielen, Kegeln o.ä. zu erhalten und zu fördern, sondern bei allen sitzenden Aktivitäten. 

Gemeinsam erstellen wir eine Checkliste, die als Leitfaden dienen kann. Gerne downloaden und ausdrucken.

Diese einfachen Veränderungen haben für den Erhalt und für die Förderung der Selbstständigkeit und Mobilität eine große Bedeutung.


Falls ihr Anregungen, Wünsche und Fragen zu bestimmten Schwerpunkten habt, meldet euch gerne bei: 

Wir freuen uns über Anregungen und Austausch.

Herzliche Grüße vom Fachbereich Pflege & Betreuung

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