Convivo Unternehmensgruppe

Kommunikation ist Pflege

Aus der Rubrik Pflege von Sabine Greulich.

Eine kleine Ermunterung zu mehr Bewusstsein in unserer Kommunikation mit pflegebedürftigen Menschen.


Klar und einfach statt vieldeutig und floskelhaft - damit Pflege gelingt, ist der verbale und nonverbale Austausch mit den Bewohner*innen und Angehörigen, aber auch innerhalb der Teams, entscheidend. Ihr betretet als Pflegefachperson das Zimmer mit dem Ziel, eure Bewohner*innen zu waschen. Ob ihr die Bewohner*in wirklich so waschen könnt, wie ihr euch das vorgestellt habt, hängt wesentlich von dem ab, was vor dem Waschen passiert.

Nicht die Handlung des Waschens ist hier die eigentliche pflegerische Leistung, sondern eure Interaktion und der wertschätzende Umgang mit der Bewohnerin oder dem Bewohner. Bereits beim ersten Schritt ins Zimmer müsst ihr mit allen Sinnen die Atmosphäre und die Stimmung erfassen und erspüren. Vor dem ersten Wort nimmt der oder die Bewohner*in Blickkontakt auf. Der Blick allein sagt schon viel über die aktuelle Gemütslage des oder der Bewohner*in aus. Dann kommen die ersten Worte - es gilt die Stimmlage, die Artikulation, die Lautstärke wahrzunehmen, die wichtiger sein können als der Inhalt der Worte.

Kommunikation ist ein schwieriges Geschäft und generiert nicht selten eine Kette von Missverständnissen. Oft fehlt es uns einfach an der Übung, uns klar auszudrücken. Sagt zum oder zur Bewohner*in nicht einfach nur "ich komme gleich". Das kann wie eine Floskel wirken und ist häufig wenig vertrauenerweckend. Klarer könnte sein: "Ich schaue in der Akte nach und komme dann zu Ihnen" oder "Ich bespreche das zu Ende und komme danach auf Sie zu" oder sogar "Bitte setzen Sie sich, ich frage direkt bei der Kollegin nach".

Auch nonverbale Kommunikation ist wichtig.

Sagt in der Kommunikation mit Angehörigen nicht einfach "Rufen Sie nachher nochmal an". Denn so eine Aussage ist vieldeutig. Besser könnte sein: "Rufen Sie bitte nach 14 Uhr noch einmal an, vielen Dank." oder "Nach der Dienstübergabe um 13.30 Uhr ist es ruhiger. Bitte rufen Sie dann noch einmal an" oder sogar "Frau XY ist ab 10 Uhr im Dienst. Rufen Sie dann bitte einfach noch einmal an".

Wenn wir einer stressigen Situation ausgesetzt sind, neigen wir dazu, uns unpräzise auszudrücken. Auch bei der Kommunikation mit den Kolleg*innen sagt nicht einfach: "Ich werde wahnsinnig", sondern kommuniziert präziser: "Das ist mir zu viel!" oder "Ich verliere den Überblick" oder "Ich brauche deine Hilfe".

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Über die Autorin Sabine Greulich

Sabine Greulich

Sabine Greulich unterstützt seit 20 Jahren demente Menschen, Angehörigen und Pflegende dabei, auch mit Demenz Lebensqualität, Wertschätzung und Freude im Miteinander zu finden. Ihr berufliches Motto: „Demenz ist tragisch – aber nicht nur“.

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