Kultur, Pflege und Work/Life

Mit Doppelpunkt und Periodenblut für eine neue Normalität

Von Marie-Lulu Högemann  /  19. April 2021


Trotz steigender Toleranz für gendergerechte Sprache, der großen Aufmerksamkeit für Bewegungen wie #metoo, Steuersenkungen auf Periodenprodukte und weiterer Erfolge der letzten Jahre: in puncto Geschlechtergerechtigkeit gibt es noch viel zu tun. Auch wir als Unternehmensgruppe lernen ständig dazu und wollen uns auch in Zukunft für mehr Gleichberechtigung einsetzen.

#pinkygate: warum wir keinen pinken Handschuh brauchen

In den letzten Wochen stellten zwei Männer in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ ein fragwürdiges Produkt vor: Einen pinken Einmalhandschuh, mit dessen Hilfe menstruierende Personen ihre Tampons „hygienisch, diskret und sicher“ entnehmen und entsorgen könnten. Die Idee kam den beiden Gründern, als sie vor ein paar Jahren in einer „Frauen-WG“ gelebt hatten und sich dort das erste Mal mit benutzen Periodenprodukten im Badezimmermülleimer konfrontiert sahen. Der Anblick des Periodenbluts „verwunderte“ die beiden Männer so sehr, dass sie prompt nach einer Lösung suchten. Für ein Problem wohlgemerkt, das die meistens Menstruierenden nie als eines wahrgenommen hatten.

Kein Wunder also, dass nach Ausstrahlung der Sendung eine Welle an Kritik losgetreten wurde, die letztendlich zur Folge hatte, dass das Produkt vom Markt genommen wurde und die Gründer sich öffentlich entschuldigten. (Mittlerweile haben die Gründer ihre Produktidee eingestellt). Der pinke Handschuh befeuere das jahrhundertealte und in vielen Kulturen verbreitete Periodenstigma, welches die Menstruation als etwas Schmutziges und Ekelerregendes darstelle. Der Vorfall verdeutlichte, dass die Periode immer noch tabuisiert und wie ein Randthema behandelt wird, mit dem sich Nicht-Menstruierende nicht beschäftigen müssen. Gerade in der Pflege, wo das Thema ca. 80 % der Beschäftigten betrifft, sollte es Normalität sein, über die Menstruation zu sprechen. Und zwar ohne Verniedlichung mit Blümchen und blauem Blut oder verschleiernden Begriffen wie „Hygieneprodukte“.

Franka Frei via Instagram

Woher kommt es, dass wir im Jahr 2020 immer noch so wenig über die Periode sprechen? Dass wir im Biologieunterricht gelernt haben, ein Kondom aufzuziehen, aber nicht, einen Tampon einzuführen? Warum gibt es eigentlich die "Fußballnationalmannschaft" und die "Frauenfußballnationalmannschaft"? Männer und alle Themen für Männer scheinen der Standard zu sein, Frauen und Nicht-Binären Menschen hingegen eine Randerscheinung. Was aus heutiger Sicht natürlich überholt ist, war lange Selbstverständlichkeit, dass es in unserer Gesellschaft tief verankert ist. Höchste Zeit also, diese Strukturen zu verlernen!

Mit Gendergerechter Sprache gegen die Unsichtbarkeit

Gendergerechte Sprache kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten Frauen und nicht-binäre Menschen in unserer Sprache sichtbarer zu machen und unser Denken umzuformen. Eine Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass Menschen mehrheitlich Männer nennen, wenn sie nach berühmten Musikern, Schauspielern oder Politikern gefragt werden. Wenn stattdessen nach Musiker:innen, Schauspieler:innen oder nach Politiker und Politikerinnen (Nennung von beiden) gefragt wird, ist das Geschlechterverhältnis der genannten Personen deutlich ausgeglichener.

Da die geschlechtergerechte Sprache relativ neu ist, gibt es noch keinen allgemein anerkannten Standard in der Umsetzung. Wie ihr wahrscheinlich wisst, haben wir bei Convivo bislang mit dem Gendersternchen (wie z.B. Mitarbeiter*innen) gegendert. An die Stelle des Sternchens tritt nun der Doppelpunkt, z.B. Pfleger:innen. Der Doppelpunkt lässt genau wie das Sternchen einen Raum für Menschen, die sich weder von der männlichen noch von der weiblichen Form angesprochen fühlen. Dabei ist er aber inklusiver, z.B. für Menschen mit Sehbehinderung, da Vorlesesoftwares ihn nicht mitlesen, sondern wie gewünscht eine kurze Sprechpause einlegen.

Was wir gegen das Periodentabu tun können

Auch wenn Veränderungen in der Sprache ein wichtiger Schritt sind, bleibt weiterhin wichtig, worüber wir sprechen. Wir als Unternehmensgruppe wollen daher das Thema Menstruation auch in der Arbeitswelt normalisieren. Wie können wir ein offenes und tolerantes Umfeld für Menstruierende schaffen? Uns ist wichtig, dass unsere Mitarbeiter:innen starke Menstruationsbeschwerden oder starkes PMS (Prämenstruelles Syndrom) ansprechen dürfen, ohne Angst vor Diskriminierung zu haben. Damit auch wirklich niemand pinke Handschuhe mit zur Arbeit nehmen muss.

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