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Umgang mit Menschen mit Demenz in Zeiten der Maskenpflicht

Aus den Rubriken Kompetenz, Kultur und Pflege von Sabine Greulich.

Es ist nicht grundsätzlich davon auszugehen, dass sich Menschen mit Demenz an eine Maske und den richtigen Umgang damit gewöhnen. Die folgenden Hinweise können dennoch helfen, die Akzeptanz eines Mund-Nasen-Schutzes zu erhöhen. Text von Sabine Greulich und Cornelia Gödde.


Die passende Maske für dich

Bunte Masken mit verspielten Mustern und in knalligen Farben bringen Spaß und machen die Maskenpflicht so erträglicher. Für Menschen mit Demenz kann so eine bunte Maske jedoch überfordernd wirken und die Konzentration erschweren. Eine Person, die Schwierigkeiten hat sich zu konzentrieren, kann meist nur einen Fokus halten. Die subjektiv stärkste visuelle Eindruck siegt. Daher empfehle ich dir im Umgang mit Menschen mit Demenz die eigene Maske in den Hintergrund treten zu lassen und mit einem anderen „Fokus“ eher davon abzulenken. Helfen können da verschiedene Accessoires, wie z.B. eine Blume oder Schleife im Haar, eine Fliege am Hemd usw.

Die passende Maske für den/die Betroffene*n

Die Auswahl des Mund-Nasen-Schutzes sollte die Vorlieben des Menschen mit Demenz (Art, Design, mit möglichst einfacher Handhabung mit Gummi) berücksichtigen. Dabei wirken Masken aus weichen, freundlichen Stoffen weniger befremdlich als Einwegmasken. Möglicherweise wird aber auch ein schönes Tuch oder ein Schal besser akzeptiert? Die Masken sollten gut angepasst werden, damit das Tragen keine unangenehmen Gefühle verursacht (bei Gummizug auf Hörgeräte achten). Für Brillenträger ist das Tragen einer Maske durch das Beschlagen der Gläser besonders schwierig.

Achtung!

Zu enge Masken können zu Hitze- oder Engegefühl und erschwertem Ein-und Ausatmen führen. Folgen sind Übelkeit, Unruhe und auch herausforderndes Verhalten. Außerdem verhindert die Maske das Ablesen von den Lippen. Eine entscheidende Ressource der Kommunikation geht möglicherweise verloren. Ältere Menschen, die in der Corona-Zeit verhaltensauffällig sind, leiden evtl. nur an Schwerhörigkeit, die sie bislang gut durch das Ablesen von den Lippen kompensieren konnten. Es ist möglich, dass das veränderte Verhalten irrtümlicherweise einer Demenz zugeordnet wir.

Sicherheit, Ruhe und Normalität ausstrahlen

Du solltest mit der eigenen Maske umgehen, als sei es „das Normalste der Welt“. Lebe vor, wie der richtige Umgang mit der Maske geht und rege den Menschen mit Demenz zum mitmachen an. „Alle tragen das jetzt.“ Die Maske gehört nun einfach dazu,  wenn ihr aus dem Haus geht: Schuhe, Jacke, „Gesichtsschal“ an - vielleicht sogar als „Eintrittskarte“ für den Bus oder den Supermarkt! Mit Humor geht bekanntlich vieles besser. Versuche dir dabei selbst keinen Druck zu machen – du kannst das Tragen der Maske nicht erzwingen! Die Betroffenen spüren Druck reagieren möglicherweise abwehrend.

Was tun, wenn das Tragen der Maske nicht gelingt?

Sind Menschen mit Demenz von vornherein schon unruhig und unausgeglichen, wird es kaum gelingen, sie zum Tragen einer Maske zu überreden und eine Betreuungsperson oder Pflegekraft mit Maske wird sie evtl. noch mehr beunruhigen und verunsichern. Im schlechtesten Fall möchte der/die Betroffene dieser Situation entfliehen und äußert beispielsweise den Wunsch (nach Hause) zu gehen. Menschen mit Demenz können außerdem ihr Gegenüber in der Kommunikation häufig emotional nicht mehr richtig einschätzen. Dies wird durch die Maske (der Betreuungsperson, der Pflegekräfte) zusätzlich verstärkt. Wenn Menschen mit Demenz das Anlegen von Masken abwehren, sollte man sofort einlenken und aufhören. Eine Diskussion oder vehemente Überzeugungsversuche verschlimmern die Situation eher, als dass sie helfen. Wenn es nicht gelingt, sollte man dies zunächst akzeptieren und später evtl. noch einmal versuchen.

Weitere Tipps

  • Es kann helfen, Schutzkleidung unter Beachtung der Abstandsregeln erst nach der Begrüßung anzuziehen – der/die Betroffene erkennt zunächst ein bekanntes Gesicht und kann daraufhin mit der Maske besser umgehen.
  • Menschen mit Demenz brauchen Hilfe mit der Maske, insbesondere beim Essen und Trinken (richtiges Abnehmen, Aufbewahren, wieder Anziehen).
  • Schöne Momente schaffen: Immer, wenn die Maske getragen wird, passiert etwas Schönes/machen wir zusammen etwas Besonderes.
  • Persönliche Begrüßungsrituale schaffen, das unterstützt die Wiedererkennung: z.B. eine wiederkehrende Grußformel, ein Lied, ein Vers, ein Klopfzeichen etc.
  • Eine kleine Challenge daraus machen: „Können wir mit einer Maske zusammen singen? Schaffen wir das?“
  • Langsamer werden, den eigenen Gesichtsausdruck halten und wirken lassen – hinter einer Maske ist ein Lächeln für Menschen mit Demenz nicht ganz so schnell zu erkennen.
  • Zu ruhigen und persönlichen Gesprächen ohne Maske, aber mit Distanz, verabreden. Hier unterstützt eine transportable „Spuckscheibe“, die zur Zeit überall angeboten wird.
  • Am besten schaust du dich selbst mal mit Maske im Spiegel an. Wie wirkt dein Spiegelbild? Es gilt visuell Ruhe und Klarheit in das Gesicht zu bringen und auszustrahlen. Eine Maske mit starken Konturen und Kontrasten könnte die Wirkung eines „Wimmelbildes“ haben und für Unruhe sorgen. (Siehe Beispielfotos)

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Über die Autorin Sabine Greulich

Sabine Greulich

Sabine Greulich unterstützt seit 20 Jahren demente Menschen, Angehörigen und Pflegende dabei, auch mit Demenz Lebensqualität, Wertschätzung und Freude im Miteinander zu finden. Ihr berufliches Motto: „Demenz ist tragisch – aber nicht nur“.

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