Kompetenz und Pflege

Was ist eigentlich Wissen für die Wartezeit? Das Interview

Von Tomke Hülsemeyer  /  15. April 2021


Wir freuen uns sehr, euch heute ein großartiges Projekt nochmals vorstellen zu dürfen. In einem Interview mit dem Seniorenhaus Beekepark berichten Nadine Peters und ihr Team über ihre Erfahrungen mit Wissen für die Wartezeit.

Das Interview führte Christina Wollenberg vom Team Pflege & Betreuung.

Was ist eigentlich Wissen für die Wartezeit?

Für Nadine und ihr Team war es eine spannende Idee – wissenschaftlich fundiertes Fachwissen zu pflegerischen, aber auch psychosozialen Themen auf einer DIN A4 Seite komprimiert, als Kurzschulungen zu nutzen. Kurze prägnante Inhalte, die in Situationen, wo sowieso gerade eine Wartezeit entsteht, zu lesen. Dabei sind die Texte so verfasst, das sie in max 2,5 Minuten zu überblicken sind. Von diesem Projekt erfuhr sie erstmals durch Evelyn Larisch (Mitarbeiterin
aus dem Fachbereich Pflege und Betreuung) 2019. Es schien nicht viel Aufwand zu bedeuten.

Im Team wurde das ganze kurz in der Früh – und Dienstbesprechung bekannt gegeben, dass sie jetzt eine Testeinrichtung seien. „Das hat gezogen“, so Nadine mit einem Lächeln. Dann noch die Klapprahmen über die Verwaltung bestellt und schon hingen die ersten Wissen für die Wartezeit. Wer bis dahin nicht genau wusste, worum es ging, wurde durch die neuen farbigen Aushänge aufmerksam und ein Austausch begann. Für das Leitungsteam im Seniorenhaus Beekepark war es spannend, hiermit das Team ganz konkret im interprofessionellen Austausch zu fordern
und zu fördern. Eines ihrer ersten Wissen für die Wartezeit war zum Thema Wertschätzung. Dabei konnten tatsächlich sehr viele Erfolge in einer verbesserten Zusammenarbeit festgestellt werden. Durch diese positive Erfahrung wurde das Projekt in ihrem Haus weiter ausgebaut.

In erster Linie wurden die Wartebereiche und Inhalte analysiert, ausprobiert, evaluiert und im engen Austausch mit dem Fachbereich Pflege und Betreuung weiterentwickelt. So können sich beispielsweise zwei Mitarbeiterinnen vorstellen, ebenfalls mal ein Wissen für die Wartezeit zu erstellen, andere könnten sich vorstellen Themen in Stichpunkten zusammen zu tragen und in Zusammenarbeit mit dem Team aus Pflege und Betreuung dann in ein Wissen für die Wartezeit zu erstellen.

Wer kümmert sich wo um den Austausch?

Ein Pflegehelfer ist verantwortlich für den regelmäßigen Austausch der Dokumente, der im Rhythmus von 3 Wochen stattfindet. Manche Wartebereiche, wie beispielsweise die Toilettenräume (Mitarbeiter/wie Besucher) und der Fahrstuhl haben sich sehr bewährt. Ganz besonders in Erinnerung bleibt dem Team eine Szene: Eine Mitarbeiterin ging auf die Toilette, sah das Wissen für die Wartezeit zum Thema – Heute schon gelächelt? – Das Bleibende daran: Genau eine Woche vorher wurde die Maskenpflicht eingeführt. Sie verließ die Toilette und zu ihren Kolleg*innen gewandt, sagte sie: „Ich habe dann mal gelächelt - eben…“

An wen richtet sich nun Wissen für die Wartezeit?

Das kommt auf die Einrichtung und das Thema an. Von daher wurde im Oktober 2020 erneut ein Projekt zum Wissen für die Wartezeit gestartet. Diesmal sind neben stationären Einrichtungen auch die Convivo Parks mit ihren Tagespflegen und auch reines Wohnen mit Service dabei. Somit erweitert sich der Kreis an Adressaten neben den Kernbereichen Pflege und Betreuung, auch ein interprofessionelles Team im Auge zu behalten, wie die Hauswirtschaft, Reinigung, Therapeut:innen, Besucher:innen, An- und Zugehörige, sowie die Bewohner:innen, Kund:innen und Mieter:innen. Der Hauptfokus liegt sicher auf den Mitarbeiter:innen mit denen für sie relevanten Alltags- und Fachthemen. Aber dieses Projekt ist eben auch eine Chance, die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen vor Ort in der Öffentlichkeit transparent zu machen.

Und was sagen die Mitarbeiter zu den Wissen für die Wartezeit?

Mitarbeiter:innenstimmen aus dem Seniorenhaus Beekepark äußern sich weitgehend positiv zu dieser Form der Fortbildung. Sie empfinden es als eine gute Idee, mit ansprechendem Layout und Themenaufbereitungen, die neugierig auf mehr machen. Hilfreiche kritische Rückmeldungen waren, dass die Inhalte noch oft zu pflegespezifisch sind und somit andere Berufsgruppen in den Hintergrund geraten. Auch empfinden einige die Texte als teilweise zu lang. Hier liegt auch die große Herausforderung für die Erstellung von Wissen für die Wartezeit, nach dem Motto: „in der Kürze liegt die Würze…“. Nadine Peters aber meint, es liege vielleicht auch an der aktuellen Corona Situation, dass alle einfach etwas müde geworden sind, und nicht mehr so viel Raum für herausfordernde und komplexe Themen geben können. So sei es abzuwarten, ob sich diese Meinung in etwas ruhigeren Zeiten vielleicht verändert.

Wir danken Nadine Peters und ihren Mitarbeiter:innen ganz herzlich für dieses Interview!

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